Nature
Unsere Bewertung
Steckbrief
| Titel | Nature |
| Verlag | HABA |
| Autor | Dominic Crapuchettes (Illustration: Catherine Hamilton) |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Offizielle Spieleranzahl | 1 bis 4 |
| Zu zweit spielbar | Ja, ohne Einschränkung. Das Spiel ist offiziell für 1 bis 4 Personen ausgelegt, zu zweit gelten die normalen Regeln. Nur für das Solospiel gibt es besondere Regeln. |
| Spieldauer | Offiziell ca. 45 bis 60 Minuten. Zu zweit bei uns eher um die 45 Minuten, mit mehr Personen dauert es länger. |
| Empfohlenes Alter | Ab 10 Jahren |
| Preis | Ca. 35 Euro – Hier kaufen* (Wenn ihr über diesen Link kauft, erhalten wir eine kleine Provision.) |
| Verpackungsmaße und Gewicht | Ca. 22,2 x 22,2 x 8 cm, ca. 1,3 kg |
| Sprache | Deutsch |
Herkunft des Exemplars: Rezensionsexemplar vom Verlag.
Zwei Regelhefte, ein Tisch und ein Plan, der nicht aufging
Eigentlich wollte ich „Nature“ ganz entspannt alleine kennenlernen: Solo-Modus aufschlagen, Regeln verinnerlichen, loslegen. Nach kurzer Zeit saß ich zwischen zwei Regelheften, der normalen Anleitung und der für das Solospiel, blätterte hin und her und war komplett überfordert. Mein Tipp deshalb gleich vorweg: erst ein paar Runden gemeinsam spielen und sich dann solo an den Automa wagen.
Kurzvorstellung
Zu Beginn jeder Runde bekommt jede Person eine Spezies. In Phasen der Evolution passt man sie mit unterschiedlichsten Merkmalskarten an das Ökosystem an, danach muss sie Phasen der Nahrungsknappheit überleben. Es geht darum, die eigenen Spezies zu vermehren und mit nützlichen Merkmalen auszustatten, um sich im Kampf ums Überleben zu behaupten.
Das Spielgefühl zu zweit
„Nature“ funktioniert zu zweit gut, und zwar nach den normalen Regeln, denn eine eigene Zweier-Variante gibt es nicht und braucht es auch nicht. Nur für das Solospiel existieren besondere Regeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Spiel mit mehr Personen noch einmal eine andere Dynamik bekommt.
Zu zweit wird es ruhiger. Man muss weniger darauf achten, wie die anderen sich anpassen, denn es gibt nur ein Gegenüber im Kampf ums Überleben. Das macht das Spiel taktischer, weil man sich ganz auf eine Person einstellen kann.
Downtime gibt es durchaus, nämlich während die Mitspielerin oder der Mitspieler in der Anpassungsphase ist. Je mehr Personen am Tisch sitzen, desto länger wird gewartet. Man kann die Anpassungsphase allerdings auch gleichzeitig spielen, das verkürzt die Wartezeit spürbar.
Weniger gefallen hat mir die Jagd zu zweit. Wenn gejagt wird, jagt zwangsläufig immer eine Person die andere. Das fühlte sich für uns zu direkt und etwas unausgewogen an, weshalb wir es nach Möglichkeit vermieden haben, unsere Spezies zu Jägern zu machen. Das kann aber auch an unserer Spielrunde gelegen haben.
Ein Beispiel aus meinen Partien: Gleich in der ersten Runde wurde meine Spezies durch einen Jäger ausgerottet, weil ich zuvor die völlig falschen Entscheidungen getroffen hatte. Ärgerlich, aber ich habe daraus gelernt und es beim nächsten Mal anders gemacht.
Als schnelle Feierabendrunde taugt „Nature“ definitiv nicht, das Spiel braucht Zeit und Platz, und man muss sich gut überlegen, was man wie macht. Auch für einen Date-Abend halte ich es für eher ungeeignet, denn irgendwie ist es bei einem Date einfach nicht so romantisch, andere Spezies auszurotten. 😉 Für Gelegenheitsspielende ist es nichts, man muss sich schon sehr hineindenken.
Format und Reisetauglichkeit
Ein Reisespiel ist „Nature“ nicht. Die quadratische Schachtel misst rund 22,2 x 22,2 x 8 cm und wiegt etwa 1,3 Kilogramm, und auf dem Tisch braucht das Spiel deutlich Platz. Zu zweit geht das noch gut, aber wenn zu viert jede Person vier Spezies mit je drei Merkmalen ausliegen hat, ist auch ein großer Tisch schon sehr voll.
Dafür gelingt der Aufbau schnell, denn das Material ist ab Werk in Pappboxen einsortiert, die man nur noch öffnen und auf den Tisch stellen muss. Das ist ein echter Pluspunkt und macht den Abbau ebenso unkompliziert. Ein kleines Manko: Es gibt recht viele kleine Plättchen für die Populationen und die Nahrung, da sollte man ein wenig aufpassen, dass nichts verloren geht.
Wiederspielwert und Einstieg
Das Spiel ist komplex. Auch in wiederholten Partien haben wir immer wieder in die Anleitung geschaut, und es dauert eine ganze Weile, bis man es neuen Mitspielenden erklärt hat. Wer spontan eine Runde anbieten möchte, braucht also Geduld.
Langweilig wird „Nature“ dafür nicht. Es entstehen immer wieder neue Situationen, und es werden immer wieder andere Merkmalskombinationen gewählt. Zusätzlich gibt es sechs separate Zusatzmodule, die etwa Naturkatastrophen, neue Merkmale oder neue Lebensräume ins Spiel bringen. Ich besitze „Naturkatastrophen“ und „Arctic Tundra“, aber uns reicht das Grundspiel bisher an Komplexität und Abwechslung völlig aus.
Den Solo-Modus gegen den Automa habe ich nach meinem ersten Versuch noch nicht wieder ausprobiert, weil mir schon das Spiel zu zweit recht komplex vorkam. Deshalb kann ich dazu noch keine Wertung abgeben.
Material und Optik
Optik und Haptik sind hervorragend, das Spiel ist so schön, dass man es unbedingt spielen will. Die Karten finde ich teilweise etwas zu dünn, was vermutlich der schieren Menge an Karten geschuldet ist, damit der Stapel nicht zu riesig wird. Die vorsortierten Pappboxen sind sehr praktisch.
Pro und Contra
Pro
- Funktioniert zu zweit nach den normalen Regeln, ohne Sonderregel
- Ruhigeres und taktischeres Spielgefühl, weil man sich nur auf eine Person einstellen muss
- Aufbau und Abbau dank vorsortierter Pappboxen schnell erledigt
- Wunderschöne Optik und hervorragende Haptik
- Bleibt durch wechselnde Merkmalskombinationen und neue Situationen abwechslungsreich, erweiterbar durch sechs Zusatzmodule
- Viel Spiel fürs Geld
Contra
- Komplex: Wir haben auch nach mehreren Partien noch in die Anleitung geschaut, und das Erklären dauert
- Downtime während der Anpassungsphase der anderen Person (lässt sich mit gleichzeitigem Spielen mindern)
- Die Jagd läuft zu zweit immer von einer Person gegen die andere, was sich für uns unausgewogen anfühlte (kann an unserer Runde liegen)
- Braucht viel Tischfläche und ist mit 1,3 kg nicht reisetauglich
- Viele kleine Plättchen mit Verlustrisiko
- Karten teilweise etwas dünn
- Der Einstieg über den Solo-Modus mit zweitem Regelheft kann überfordern
Für wen ist es geeignet, für wen nicht
Ideal für Strategie- und Taktikfans, die zu zweit oder in kleiner Runde Zeit und einen großen Tisch haben und sich gern in ein komplexes Spiel hineindenken. Eher nichts für Gelegenheitsspielende, für eine schnelle Runde nach Feierabend, für ein romantisches Date oder für unterwegs.
Fazit und Wertung
„Nature“ ist ein wunderschön gestaltetes, taktisch anspruchsvolles Spiel, das sich zu zweit nach den normalen Regeln sehr gut spielen lässt und lange abwechslungsreich bleibt. Den Spielspaß bewerte ich mit 5 statt 6, weil die Komplexität und das aufwendige Erklären die Einstiegshürde hoch legen. Die Zweispieler-Tauglichkeit bekommt die volle Punktzahl, weil das Spiel ohne Sonderregeln trägt und zu zweit ruhiger und taktischer wird, auch wenn uns die Jagd zu zweit etwas unausgewogen vorkam. Bei der Portabilität gibt es nur 2 Punkte: Das Spiel ist groß, schwer und braucht viel Platz, dafür punktet es mit schnellem Aufbau. Material und Verarbeitung erhalten 5 Punkte, denn Optik und Haptik sind hervorragend, nur die Karten sind teilweise etwas dünn. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis sind es 6 Punkte, weil man für rund 35 Euro viel Material, viel Abwechslung und lange Spielfreude bekommt.
| Spielspaß allgemein | |
| Zweispieler-Tauglichkeit | |
| Portabilität | |
| Material und Verarbeitung | |
| Preis-Leistung |
Skala: 1 Würfelauge bedeutet schwach, 6 Würfelaugen bedeuten hervorragend.
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